Virtueller ZEV

Ein Virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) ist eine Eigenverbrauchsgemeinschaft, in der mindestens zwei Strombezüger mit mindestens einer Photovoltaikanlage (PVA) lokal produzierten Solarstrom innerhalb der Nachbarschaft nutzen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Teilnehmer am gleichen Netzanschlusspunkt angeschlossen sind. Der vZEV ermöglicht damit die gemeinsame Nutzung des PV-Stroms in der Nachbarschaft und erhöht die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen.

Vorteile

Auf intern verbrauchtem PV-Strom werden keine Netzgebühren verrechnet. Da diese rund die Hälfte des regulären Netzstromtarifs ausmachen, können erhebliche Einsparungen für die Verbraucher erzielt werden. Gleichzeitig erhält der Produzent bei einer Einspeisung ins Netz durch den Verteilnetzbetreiber (VNB) nur einen Bruchteil des Tarifs für Strombezug aus dem Netz vergütet. Innerhalb eines vZEV können sich die Teilnehmer jedoch auf einen Preis für den PV-Strom einigen, der zwischen der Einspeisevergütung und dem Netzbezugstarif liegt. Davon profitiert einerseits der Betreiber der PV-Anlage durch höhere Erträge und andererseits der Verbraucher durch einen günstigeren Strompreis im Vergleich zur Situation ohne vZEV.

Akteure

Im vZEV spielen verschiedene Akteure zusammen. Neben den Teilnehmern selbst übernimmt der Verteilnetzbetreiber eine zentrale Rolle, indem er die Messinfrastruktur bereitstellt, die Messwerte liefert, bei Bedarf Netzstrom zur Verfügung stellt, überschüssigen PV-Strom abnimmt und Bezug sowie Einspeisung gegenüber dem vZEV abrechnet. Die interne Verrechnung des Stroms an die einzelnen Teilnehmer liegt in der Verantwortung des vZEV und kann im Rahmen eines Abrechnungsauftrags an Enertech übergeben werden. Enertech übernimmt dabei das Auslesen der VNB-Zähler, die Berechnung der individuellen Energieabrechnungen und auf Wunsch auch das Inkasso. Zusätzlich ermittelt Enertech die Ertragsanteile der einzelnen PV-Anlagenbetreiber und stellt diese dem vZEV zur Verfügung.

Messen und Abrechnen

Für den Betrieb eines vZEV werden die bestehenden Stromzähler der Teilnehmer genutzt. Diese Zählerwerte werden durch den VNB im 15‑Minuten‑Takt automatisch ausgelesen und virtuell zu einem Gesamtmesspunkt aggregiert. Voraussetzung ist, dass bereits Smart Meter installiert sind; falls dies nicht der Fall ist, rüstet der VNB die Zähler entsprechend nach. Alle erfassten Daten werden anschliessend über eine standardisierte Schnittstelle in die Abrechnungsplattform EApp von Enertech importiert. Die EApp erstellt auf Basis dieser Messwerte quartalsweise eine detaillierte Abrechnung für jeden Teilnehmer. Darin wird festgehalten, wie viel PV-Strom und wie viel Netzstrom jeder Verbraucher bezogen hat und welche Mengen an PV-Strom

von Teilnehmern mit eigener PVA an andere Teilnehmer oder den VNB abgegeben wurden. Gegenüber dem VNB tritt nicht mehr jeder Teilnehmer einzeln auf, sondern der gesamte vZEV fungiert als Kunde. Daher werden sämtliche Kosten für den Netzstrombezug sowie die Erträge aus der Netzeinspeisung direkt dem vZEV in Rechnung gestellt. Die interne Weiterverteilung dieser Kosten und Erträge an die einzelnen Teilnehmer obliegt wiederum dem vZEV. Enertech unterstützt diesen Prozess, indem in der EApp für jeden Teilnehmer individuelle Energieabrechnungen erzeugt werden.

Aufteilung von PV-Strom im vZEV

PV-Strom innerhalb des vZEV wird im Verhältnis zum Verbrauch resp. Produktion pro 15 Minuten aufteilt. Folgende Zahlenbeispiele verdeutlichen die Aufteilung:

Teilnehmer A und B haben eine PV-Anlage und produzieren in einem 15-Minuten-Intervall abzüglich Eigenverbrauch 5 kWh (Teilnehmer A) resp. 3 kWh (Teilnehmer B). Teilnehmer C und D haben keine PVA und verbrauchen im gleichen Zeitintervall 1 kWh (Teilnehmer C) resp. 3 kWh (Teilnehmer D). Da im vZEV doppelt so viel PV-Strom produziert wie verbraucht wird, werden sämtliche Verbräuche der Teilnehmer C und D durch PV-Strom gedeckt; je die Hälfte der Produktion von A und B werden innerhalb des vZEV als PV-Strom abgesetzt, die andere Hälfte fliesst als Überschuss ins VNB-Netz.

Haus
Nettoproduktion
Nettoverbrauch
PV-Strom
Netzstrom

A

5 kWh

2.5 kWh

2.5 kWh

B

3 kWh

1.5 kWh

1.5 kWh

C

1 kWh

1 kWh

D

3 kWh

3 kWh

Teilnehmer A und B haben eine PV-Anlage und produzieren in einem 15-Minuten-Intervall abzüglich Eigenverbrauch 1 kWh (Teilnehmer A) resp. 1 kWh (Teilnehmer B). Teilnehmer C und D haben keine PVA und verbrauchen im gleichen Zeitintervall 4 kWh (Teilnehmer C) resp. 2 kWh (Teilnehmer D). Da im vZEV dreimal so viel PV-Strom verbraucht wie produziert wird, wird sämtliche Produktion der Teilnehmer A und B als PV-Strom im vZEV genutzt; je ein Drittel des Verbrauchs von C und D wird von PV-Strom gedeckt, der Rest wird aus dem VNB-Netz bezogen.

Haus
Nettoproduktion
Nettoverbrauch
PV-Strom
Netzstrom

A

1 kWh

1 kWh

B

1 kWh

1 kWh

C

4 kWh

1.33 kWh

2.67 kWh

D

2 kWh

0.67 kWh

1.33 kWh

Rechnungstellung und Inkasso

Für die Rechnungstellung hat der vZEV zwei Möglichkeiten: Entweder übernimmt er die Rechnungsstellung an seine Mitglieder selbst, basierend auf den in der EApp erstellten Abrechnungen, oder er überträgt diese Aufgabe inklusive Inkasso an Enertech. Bei einer vollständigen Auslagerung versendet Enertech die Rechnungen für den bezogenen PV‑ und Netzstrom direkt an die Teilnehmer, nimmt die Zahlungen entgegen und überweist die gesammelten Erträge quartalsweise an den vZEV. Zusätzlich stellt Enertech einen umfassenden Finanzbericht zur Verfügung.

Die Erträge der PV-Anlagen aus Netzeinspeisung und vZEV-internem Stromverkauf fliessen zunächst vollständig an den vZEV. Anschliessend werden sie auf die Betreiber der einzelnen PV-Anlagen verteilt. Enertech ermittelt diese Beteiligungen anhand der Produktions- und Verbrauchsdaten und übermittelt sie dem vZEV in Form einer detaillierten Ertragsabrechnung.

Die von Enertech erbrachten Abrechnungs- und optionalen Inkassodienstleistungen werden dem vZEV quartalsweise in Rechnung gestellt. Diese Kosten werden aus den Einnahmen des vZEV beglichen und somit anteilig von den Betreibern der Photovoltaikanlagen getragen.